Sigmadivertikulitis

Medizinische Grundlagen und Ursachen

Sigmadivertikel, 3D-Rekonstruktion

Divertikel im S-Darm (aus CT-Aufnahme rekonstruiert)

Bei der Divertikelentzündung des S-Darms (Sigmadivertikulitis oder kurz: Divertikulitis) liegt eine Entzündung von sog. Divertikeln vor. Unter Divertikeln versteht man Aussackungen der Darmwand, die sowohl im Dick- als auch im Dünndarm vorkommen können. Am häufigsten findet man Divertikel jedoch im sogenannten S-Darm (Colon sigmoideum; deutsch Krummdarm). Dieser Abschnitt des Dickdarms ist im linken Unterbauch lokalisiert. Bei der Mehrzahl der Menschen verursachen Divertikel keine Beschwerden (etwa 70-80%). Das alleinige Vorhandensein dieser Divertikel hat keinen Krankheitswert und ist nicht behandlungsbedürftig. Man spricht in diesem Fall von einer reizlosen Divertikulose.

Dickdarmdivertikel sind nicht angeboren, sondern treten mit zunehmendem Alter immer häufiger auf. Bei etwa 30-50 % der über 60-jährigen Patienten können Divertikel nachgewiesen werden. Damit gehört die Divertikulose zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten in der westlichen Welt. Der genaue Entstehungsmechanismus der Erkrankung ist bis heute nicht geklärt. Als Ursache für die Bildung von Divertikeln wird eine faser- und ballaststoffarme Kost, gesteigerte Drücke im Darm (wie z.B. bei Verstopfung) und altersbedingte Darmwandveränderungen angesehen.

Beim Auftreten von Beschwerden oder Komplikationen spricht man von einer sogenannten Divertikelkrankheit. Als Ursache dieser Beschwerden liegt in den meisten Fällen eine Entzündung einzelner oder mehrerer Divertikel vor - dies nennt man dann "Sigmadivertikulitis" oder verkürzt auch nur "Divertikulitis". Wenn sich Stuhl in den Divertikeln festsetzt, kommt es zur Reizung der Darmwand. Normalerweise harmlose Darmbakterien können in die Darmwand eindringen, und es kommt zur Divertikulitis.

Etwa 10-20 % der Divertikulosepatienten entwickeln im Laufe ihres Lebens eine solche Entzündung. Als Komplikation der Divertikulitis kann es in etwa 10% der Fälle zu einem Darmdurchbruch (Perforation) kommen. Dieser erfolgt häufig gedeckt (von Bauchfett abgedeckt) und führt zu einem umschrieben Abszess (Eiteransammlung). Der gedeckte Darmdurchbruch unterscheidet sich klinisch nur wenig von der akuten „einfachen Divertikulitis". Im Gegensatz dazu führt eine freie Perforation (Durchbruch der Entzündung in die Bauchhöhle) zu einem Stuhlaustritt in den Bauchraum mit der Folge eines schweren Krankheitsbildes mit Bauchfellentzündung (Peritonitis) bis hin zum schweren entzündlichen Schock.

Eine weitere Komplikation stellt die Divertikelblutung dar. Sie kann als Folge einer Divertikulitis auftreten und ist bei älteren Patienten eine der häufigsten Ursachen für eine Darmblutung. Da die Divertikulitis typischerweise in immer wieder auftretenden Schüben verläuft, findet man als weitere Komplikation besonders bei langjährigem Verlauf häufig eine narbige Enge im S-Darm (Sigmastenose), die zur Verstärkung der Verstopfung führen kann.

Beschwerden (Symptome)

  • Schmerzen im linken Unterbauch.
  • Fieber.
  • Entzündungszeichen im Blut (erhöhte weiße Blutkörperchen).
  • Stuhl-Unregelmäßigkeiten, meist in Form einer Verstopfung.

Notwendige Untersuchungen

Sigmadivertikulitis CT

CT bei Sigmadivertikulitis

Im Vordergrund steht die körperliche Untersuchung durch den Arzt. Hierbei ist ein Druckschmerz im linken Unterbauch mitunter begleitet von einer gut abgrenzbaren, walzenförmigen Verhärtung (durch den entzündeten Darm) wegweisend.

In der akuten Phase der Divertikelerkrankung (Divertikulitis) kann eine Schichtaufnahme des Bauchraumes (Öffnet externen Link im aktuellen FensterComputertomographie) durchgeführt werden, um eine Divertikulitis nachzuweisen und etwaige Komplikationen auszuschließen. Im der entzündungsfreien Phase kann die Divertikulose mittels Dickdarmspiegelung (Öffnet externen Link im aktuellen FensterKoloskopie) gesichert werden und ein bösartiger Tumor ausgeschlossen werden.

Operationsverfahren und Zusatzbehandlungen

Schematische Darstellungs des Darms nach Sigmaresektion.

Narbenbefund nach laparoskopisch assistierter Sigmaresektion.

Die jeweilige Therapie richtet sich nach dem Ausmaß der Divertikelentzündung und muss individuell entschieden werden. Im Vordergrund steht zunächst immer die Behandlung der Entzündung. Diese erfolgt durch Ruhigstellung des Darms mit einer Nahrungskarenz (keine Zufuhr von Nahrung) und künstliche Ernährung sowie aus einer Schmerzmedikation und der Gabe eines Öffnet Wikipedia-Link in neuem FensterAntibiotikums.

Wenn sich unter dieser konservativen Therapie die Symptome verschlechtern oder wenn von vornherein ein Durchbruch eines Divertikels mit einer Bauchfellentzündung aufgetreten ist, ist eine rasche Operation erforderlich. Ferner gilt, dass eine Operation des S-Darmes mit Entfernung der entzündeten Divertikel erfolgen sollte, sobald mehrere Schübe (mindestens zwei) einer Divertikulitis oder wenn Komplikationen (lokale Öffnet Wikipedia-Link in neuem FensterAbszesse, gedeckte Darmdurchbrüche, Engstellungen des Darms, Öffnet Wikipedia-Link in neuem FensterFisteln) aufgetreten sind. Junge Patienten (unter 40 Jahre) mit Divertikulitis und Risikopatienten (Öffnet Wikipedia-Link in neuem FensterImmunsuppression) sollten bereits nach dem ersten Schub eines Divertikulitisschubes einer operativen Therapie zugeführt werden, da diese Patienten ein hohes Rezidivrisiko haben.

Bei der Operation wird der divertikeltragende Darmabschnitt entfernt und die beiden verbliebenen Darmenden wieder durch eine Naht oder eine Nahtmaschine miteinander verbunden. Durch den Fortschritt in der operativen Technik kann die Operation mittlerweile bei der Mehrzahl der Patienten in Schlüssellochtechnik (laparoskopisch) durchgeführt werden. Dies bedeutet für den Patienten einen kürzeren stationären Aufenthalt, weniger Narben, weniger Schmerzen und weniger Verwachsungsbeschwerden. In manchen Fällen muss die Operation jedoch nach wie vor herkömmlich über einen Bauchschnitt erfolgen. In Kombination mit dem Fast-Track-Konzept erhalten Sie in unserer Klinik eine optimale Schmerztherapie und eine schnelle Erholung nach der Operation.

Im Notfall (freier Darmdurchbruch, Bauchfellentzündung, Darmverschluss) muss häufig vorübergehend ein Öffnet Wikipedia-Link in neuem Fensterkünstlicher Darmausgang angelegt werden, der jedoch nach einiger Zeit wieder zurückverlegt werden kann.

Wenn Sie eine Divertikulitis hatten: In unserem Patienten-Management beraten wir Sie kompetent zu der Frage, ob bei Ihnen eine Operation erfolgen sollte.

Operationsrisiken

Selten können Infektionen der Wunde, Verletzungen von Bauchorganen, Undichtigkeiten der Darmnaht mit Bauchfellentzündung auftreten.

Nachsorge

Nach der S-Darm-Entfernung (Sigmaresektion) werden Sie kaum Veränderungen bemerken. Der Stuhlgang kann etwas weicher sein, was meist nicht unerwünscht ist. Sie können ansonsten normal essen und müssen Ihre Lebensgewohnheiten in keiner Weise umstellen.

Nach Abklingen der Entzündung bzw. nach erfolgter Operation ist eine ballaststoffreiche Kost sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Trinkmenge 2–2,5 l pro Tag) zu empfehlen. Ferner sollte auf regelmäßigen Stuhlgang (Vermeidung von Verstopfung) geachtet werden sowie bei vorhandener Fettleibigkeit möglichst eine Gewichtsreduktion erfolgen.