Aortenaneurysma

Medizinische Grundlagen

Unter einem Aneurysma versteht man eine krankhafte Erweiterung einer Arterie (Schlagader). Dies kann an Arterien des gesamten Körpers auftreten, betrifft am häufigsten jedoch die Aorta (Hauptschlagader) im Brustkorb und im Bauchraum etwa in Höhe des Bauchnabels. Von einem Bauchaortenaneurysma spricht man, wenn der Durchmesser der Bauchaorta unterhalb des Abganges der Nierenarterien größer als 30 mm ist. Ein Bauchaortenaneurysma kann beschwerdefrei und sogar unbemerkt bleiben (asymptomatisch), oder es kann Schmerzen verursachen (symptomatisch). Mit zunehmender Größe des Aneurysma steigt die Gefahr einer Ruptur (Zerreißung), mit der Folge einer lebensbedrohenden inneren Blutung.

Fachbegriffe und deutsche Übersetzung

Fachbegriff Erklärung
Aorta Hauptschlagader
Thorakale Aorta im Brustkorb (Thorax) gelegener Teil der Aorta
Abdominelle Aorta Aorta im Bauch (Abdomen)
Aneurysma Erweiterung, Aussackung
Ruptur Riss, Zerreißung
Rohrprothese Kunstgewebe-Röhre, Ersatzmaterial für die offene Operation
Stent engl. „Gefäßstütze“, Drahtgitter-Röhrchen als Gefäßersatz
Stentprothese minimal-invasiv eingebrachtes Blutgefäß-Ersatzmaterial
Endoleak engl. Blutleck, Komplikation bei Stentprothesen
Infrarenales Aneurysma „unterhalb der Nieren“ gelegenes Aneurysma

Ursachen

Die meisten Aneurysmen werden durch Verkalkung hervorgerufen. Manche Patienten leiden an einer angeborenen Bindegewebsschwäche. Zu hoher Blutdruck führt auf Dauer zu einer Schwächung der Arterienwand. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Darüber hinaus wird eine familiäre Häufung beobachtet.

Beschwerden (Symptome)

Die meisten Bauchaortenaneurysmen werden vom Patienten nicht bemerkt. Durch eine langsam zunehmende Erweiterung können zunächst vor allem Rückenschmerzen auftreten, die manchmal zu Fehldiagnosen wie Bandscheibenschaden oder Nierenkolik führen. Große Aneurysmen sind als pulsierende Geschwulst im Bauch tastbar. Platzt ein Aneurysma im Bauch plötzlich, wird vom Patienten ein „Vernichtungsschmerz“, stärkster Bauchschmerz mit Ausstrahlung in den Rücken, Übelkeit und Brechreiz bemerkt. Durch den starken Blutverlust aus der größten Arterie des Körpers kann der Mensch innerhalb kurzer Zeit innerlich verbluten. Das Leben ist nur durch einen sofortigen chirurgischen Eingriff zu retten.

Notwendige Untersuchungen

Computertomographie eines Bauchoartenaneurysma (Pfeile)

Die Diagnose wird durch eine klinische Untersuchung mit Abtastung des Bauches und mittels Ultraschall gestellt. Häufig werden Aneurysmen zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauches entdeckt. Bei größeren Aneurysmen muss eine Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel durchgeführt werden. Zur Entscheidung über eine Behandlung ist eine Begutachtung der CT-Bilder durch die Ärzte der Gefäßchirurgie erforderlich, ein schriftlicher Befundbericht vom Röntgenarzt reicht nicht aus. Heutzutage werden die CT-Bilder meist elektronisch auf einer CD gespeichert.

Aneurysmen können im Laufe der Zeit wachsen. Ab einem Durchmesser des Aneurysmas von 5 cm steigt die Gefahr des Einreißens der Arterienwand erheblich an. Daher ist bei kleineren Aneurysmen eine regelmäßige Kontrolluntersuchung, in der Regel mittels Ultraschall, erforderlich. Kleine Aneurysmen reißen nicht oft, können jedoch trotzdem lang anhaltende Beschwerden und Schmerzen bereiten. Dann sollten auch kleinere Aneurysmen behandelt werden.

Vor einer Behandlung sollten die wichtigsten Blutwerte überprüft werden, darunter besonders die Schilddrüsenhormone und Nierenwerte. Kurz vor einer CT-Untersuchung oder der Aneurysma-Behandlung ist eine nochmalige Kontrolle dieser Werte notwendig. Zur Einschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit dienen Untersuchungen wie EKG und Lungenfunktionsprüfung. Bei bekannten Herzerkrankungen können zusätzliche Untersuchungen durch einen Kardiologen sinnvoll sein. Die vorbereitenden Untersuchungen helfen bei der Auswahl der am besten geeigneten Behandlungsmethode

Operationsverfahren und Zusatzbehandlungen

Seit Anfang der 90er Jahre werden immer öfter minimal-invasive Behandlungsmethoden angewandt.  Zur Versorgung eines Aortenaneurysma kann in bestimmten Fällen auf einen Bauchschnitt verzichtet werden, indem über die Oberschenkelarterien von beiden Beinen aus eine drahtverstärkte Röhre („Stent-Prothese“) innen bis über die Aussackung in der Aorta vorgeschoben wird. Die Haltbarkeit dieser Stents ist nicht unbegrenzt, dafür ist die minimal-invasive Methode weniger belastend für den Organismus. Insbesondere bei älteren Patienten mit vielen Nebenerkrankungen und einem hohen Risiko für die offene Operation, wird diese Technik angewendet.

Bestimmte Formen eines Aneurysma eignen sich nicht für die minimal-invasive Methode. Bei Problemen mit einer Stent-Prothese und im Notfall bei einem geplatzten Aortenaneurysma ist fast immer eine offene Operation erforderlich. Dabei wird die Aorta mit einem Bauch- oder Flankenschnitt freigelegt und der schadhafte Teil mit einem Kunststoffrohr ersetzt. Die offene Operation ist technisch nahezu immer möglich und bietet eine langfristige Haltbarkeit.

Sowohl die minimal-invasive als auch die offene Operation werden in der Klinik in gleichem Maße durchgeführt. Die Entscheidung für ein Therapieverfahren erfolgt gemeinsam mit dem Patienten und berücksichtigt Begleiterkrankungen, Lebensumstände und persönliche Wünsche. Die Computertomographie-Bilder werden in einer Konferenz der Ärzte der Gefäßchirurgie und der interventionellen Radiologie begutachtet und ein Therapievorschlag erarbeitet. Das Aneurysma wird vermessen und eine individuell angepasste Prothese in Auftrag gegeben. 

Operationsrisiken

Die Ruptur eines Bauchaortenaneurysmas ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Im Vergleich dazu stellt die Behandlung eines Aortenaneurysma mittels Stent oder offener Operation ein weitaus geringeres Risiko dar. Neben den allgemeinen Risiken einer jeden Operation wie Infektionen, Lungenentzündung oder Herz-Kreislauf-Problemen können mit der Behandlung spezielle Probleme auftreten. Speziell bei der Stent-Behandlung kann eine Leckage von Blut in den eigentlich ausgeschalteten Aneurysma-Sack auftreten („endoleak“). Oft verschließt sich das Leck im Laufe der Zeit von selbst, oder es kann mittels einer Katheter-Behandlung über die Oberschenkelarterie verschlossen werden. Bei beiden Verfahren gleichermaßen kann es zu einer Durchblutungsstörung der Nieren, des Darmes oder der Beine kommen. Bei einer offenen Operation könnten möglicherweise andere Bauchorgane verletzt werden. Gelegentlich finden sich bei einer Bauchoperation andere, bisher unbekannte Krankheiten, die dann entsprechend operiert werden müssen.

Nach erfolgreicher Behandlung sind regelmäßige Überprüfungen der Durchblutung der Beine und eine Ultraschallkontrolle ratsam. Speziell nach der Stent-Behandlung wird nach einigen Monaten eine weitere Computertomographie angefertigt, um ein „endoleak“ auszuschließen.

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