Narbenbrüche

Narbenbrüche entstehen im Bereich von Operationsnarben. Dabei bilden sich Monate oder Jahre nach der Bauchoperation Lücken im festen Bindegewebe der Bauchwand. Durch diese Lücken können Darmschlingen aus der Bauchhöhle hindurchschlüpfen. Narbenhernien (Narbenbrüche) können sehr klein sein, aber auch eine Größe von über 30 cm erreichen. Manche Narbenhernien verursachen kaum Symptome, während andere Narbenbrüche den Patienten sehr starkdurch Schmerzen, Instabilität der Bauchdecke und kosmetische Probleme belasten. Wie sieht die moderne, patientenorientierte Diagnostik und Therapie des Narbenbruchs aus?

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Ein Schwerpunkt unserer klinischen und wissenschaftlichen Arbeit liegt in der individualisierten Therapie des Narbenbruchs.

Im Rahmen unserer Narbenbruch-Sprechstunde (Montag 9-15 Uhr) bieten wir Ihnen eine umfangreiche professionelle und individuelle Beratung, Untersuchung und Therapie an. Wir führen federführend die deutschlandweite AWARE-Studie durch, die wegen ihrer Bedeutung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Die AWARE-Studie untersucht, welche Patienten von einer Operation profitieren und bei welchen Patienten die systematische Beobachtung von Narbenbrüchen von Vorteil sein könnte.

Haben Sie Interesse, als Patient an der Studie teilzunehmen und von der engmaschigen Betreuung zu profitieren? Weitere Informationen finden Sie hier.

Wenn Sie Fragen haben oder einen Termin in der Narbenbruch-Sprechstunde vereinbaren möchten, können Sie sich gerne an folgende Telefonnummern wenden:

+49 30 450-522722

+49 30 8445-2948


Weiterführende Informationen zu Narbenhernien

Wie häufig sind Narbenhernien?

Der Narbenbruch ist eine sehr häufige Erkrankung. Nach einer Bauchoperation entsteht bei mehr als jedem fünften Patienten ein Narbenbruch. Narbenbrüche können schon wenige Monate nach der Operation auftreten, aber auch noch einige Jahre nach der Operation entstehen. Mehr als 50.000 Narbenhernien werden pro Jahr in Deutschland operativ versorgt.

Wie entstehen Narbenbrüche?

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Im Bereich von Operationsnarben kann es nach einiger Zeit zu Schwachstellen in der Bauchdecke kommen. Dabei bilden sich sogenannte Bruchlücken im Narbengewebe der Bauchdecke. Durch diese Bruchlücken können Darmschlingen oder Fettgewebe der Bauchhöhle bis unter die Haut hindurchtreten; dies wird als Narbenbruch bezeichnet. Risiken für einen Narbenbruch sind Rauchen, Übergewicht, Störungen des Bindegewebsstoffwechsels, viele vorangegangene Bauchoperationen, Schwierigkeiten beim operativen Verschluss der Bauchdecke und Wundinfektion nach der Operation.

Einem Narbenbruch geht also immer eine Bauchoperation voraus. Davon abzugrenzen ist ein Nabelbruch. Dieser entsteht ohne Voroperation am Bauchnabel.

Welche Beschwerden und Symptome treten bei Narbenhernien auf?

Bemerkt man im Bereich einer ehemaligen Operationsnarbe eine Vorwölbung, die mit der Zeit an Größe zunehmen kann, ist das Vorliegen eines Narbenbruches wahrscheinlich. Der Narbenbruch tritt typischerweise beim Pressen des Bauches oder beim Husten stärker hervor und kann mit der Hand zurückgedrückt werden. Man kann häufig mit einem Narbenbruch beschwerdefrei leben. Nicht selten verursachen Narbenbrüche aber auch Beschwerden, insbesondere beim Husten oder bei körperlicher und sportlicher Tätigkeit. Patienten klagen zudem über ein Gefühl der Instabilität der Bauchdecke und kosmetische Beeinträchtigungen. Narbenbrüche können sich mit der Zeit vergrößern und dadurch unter Umständen mehr Beschwerden verursachen.

Meist kann der Narbenbruch ohne Schmerzen problemlos in die Bauchhöhle zurückgedrückt werden. Treten allerdings plötzlich starke Schmerzen auf und lässt sich die Vorwölbung nicht mehr zurückdrücken, sollte umgehend ein Krankenhaus aufgesucht werden. In diesem Fall besteht der Verdacht auf eine akute Einklemmung von Darmanteilen, die in diesem Fall nicht mehr ausreichend durchblutet sind und absterben können. Die akute Einklemmung ist ein seltenes Ereignis. Kommt es aber zu einer solchen akuten Einklemmung, ist die sofortige Operation notwendig, um den Darm zu erhalten und den Bruch zu verschließen.

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Entscheidend sind die gründliche Anamnese inklusive der Voroperationen am Bauch und die körperliche Untersuchung. Die Mehrzahl der Narbenbrüche kann durch Abtasten der Narbe festgestellt werden. Dabei kann der Arzt beurteilen, wie groß der Narbenbruch bzw. die Narbenbrüche sind und ob und wie leicht der Bruch in die Bauchhöhle zurückgedrückt werden kann. Ist der Bruch klein oder der Patient übergewichtig, kann der Narbenbruch mit einer Ultraschalluntersuchung oder – seltener – mit einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) diagnostiziert werden. Durch die Sonographie als dynamische Untersuchung kann der Narbenbruch beim Pressen sehr gut dargestellt werden. Die CT und MRT sind bei komplexen Brüchen zur Operationsplanung zur Lokalisation und Größenzuordnung der einzelnen Brüche sehr hilfreich.

Wir bieten alle diese Untersuchungen an und können diese ohne lange Wartezeiten durchführen.

Wann sollte operiert werden?

Haben Sie Schmerzen durch den Narbenbruch, sollten Sie sich einer Operation unterziehen, denn es gibt keine andere Möglichkeit als die Operation, den Narbenbruch zu heilen. Zudem kann eine akute Einklemmung von Darmanteilen in der Zukunft nicht ausgeschlossen werden. Allerdings sollte man nach Notfalloperationen oder bei Operationen mit Komplikationen mindestens sechs Monate mit dem Verschluss des Narbenbruchs warten, damit die ursprüngliche Operationsnarbe ausheilen kann.

Andere Beschwerden, die eine Indikation zur Operation sein können, sind das Gefühl der Instabilität der Bauchdecke, wenn der Bruch mit der Zeit größer wird. Häufig sind Betroffene auch einfach unzufrieden mit dem Aussehen, wenn der Bruch als Ausbeulung der Bauchdecke zu sehen ist. 

Besteht eine akute Einklemmung des Narbenbruchs mit sehr starken Schmerzen, droht das Absterben des eingeklemmten Darms und es muss sofort operiert werden. Die akute Einklemmung kommt nur selten vor.

Verursacht der Narbenbruch allerdings keine Schmerzen, ist fraglich, ob eine Operation dem betroffenen Patienten hilft. Zu dieser wichtigen Frage wurden bislang noch keine verlässlichen Daten vorgelegt. Die Charité - Campus Benjamin Franklin leitet eine deutschlandweite Studie (AWARE) mit insgesamt 42 Zentren, die von der Deutschen Forschungsgesellschaft gefördert wird. Diese Studie wird zeigen, wie häufig akute Einklemmungen sind, welche Patienten von einer Narbenbruch-Operation profitieren und helfen, unnötige Operationen zu vermeiden.

Wie wird operiert?

Weil jeder Patient mit seinen Voroperationen und der Größe und Lokalisation des Narbenbruchs unterschiedlich ist, gibt es eine ganze Reihe von Operationsverfahren, die auf den individuellen Patienten abgestimmt werden. Wir bieten alle etablierten Operationsverfahren mit hoher Expertise an.

Die Standardoperation ist der offene (konventionelle) Narbenbruchverschluss mit Kunststoffnetzverstärkung. Dabei wird die Operationsnarbe wieder geöffnet, der Bruchinhalt (Darm oder Fettgewebe aus der Bauchhöhle) in die Bauchhöhle verlagert, die Bruchlücke mittels Naht verschlossen und durch Einlage eines Kunststoffnetzes verstärkt. Das Kunststoffnetz wird zwischen Bauchfell und Muskulatur (Sublay) platziert und überlappt wie ein großer Flicken alle Seiten des Bruchs um mindestens 5 cm.

Bei kleineren Brüchen insbesondere in der Mittellinie des Bauches ist die minimal-invasive Technik (laparoskopisches IPOM=intraperitoneales Onlay Mesh) gut geeignet. Hier wird laparoskopisch das Netz zwischen Eingeweide und Bauchfell ebenfalls mit weiter Überlappung über die Bruchlücke platziert und fixiert.

Bei sehr großen Brüchen hilft die sogenannte Komponentenseparation dabei, auch die seitliche Bauchdecke zu mobilisieren, um die Bruchlücke zu schließen. Die Komponentenseparation wird ebenfalls durch ein Netz in Sublay-Position verstärkt. Wir führen die moderne hintere Komponentenseparation durch, weil sie im Gegensatz zur vorderen Komponentenseparation weniger traumatisch für die Blutversorgung des Gewebes ist und die Nerven der seitlichen Bauchwand schont.

Zeigt sich in der klinischen Evaluation und in der Analyse der CT- oder MRT-Aufnahmen vor der Operation, dass die Narbenhernie zu weit ist, um sie auch mit der Komponentenseparation zu schließen, wenden wir das offene IPOM-Verfahren an. Hierbei werden die Verwachsungen im Bauch offen (mittels Bauchschnitt) gelöst und das Netz analog zur minimal-invasiven Technik weit überlappend zwischen Eingeweide und Bauchfell platziert. 

Durch den Einsatz von Kunststoffnetzen ist das Wiederkehren des Bruches (Rezidiv) selten.

Die Operation des Narbenbruchs ist ein risikoarmer Eingriff. Flüssigkeitsansammlungen im OP-Gebiet (Serome) kommen vor ebenso wie Blutergüsse vor. Seltener sind Wundinfektion, die sich selten bis auf das Netz ausbreiten können (Netzinfektion). Blutungen nach der Operation oder Verletzungen von Bauchorganen sind sehr selten.

Was muss man nach einer Operation beachten?

Eine spezielle Nachsorge ist nicht erforderlich. Körperliche Aktivitäten sind bereits kurz nach der Operation möglich. Bei komplexen Narbenbruchoperationen sollten maximale Belastungen bis zwei Monate nach der Operation nicht durchgeführt werden. Das Tragen einer Bauchbinde nach der Operation bei Aktivitäten kann die Bauchdecke stabilisieren helfen.

Ihr Ansprechpartner zu Fragen bei Narbenbrüchen:

PD Dr. med. Johannes Lauscher

Stellv. Ltd. Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

CBF: Campus Benjamin Franklin

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